Mit einem Safe durch Hamburg

Auf der Reeperbahn Nachts um halb eins, gibt es Geocaches oder auch keins. Unsere Reiseagenda führte uns dieses mal wieder in den hohen Norden, in das schöne Hamburg. Bei 6 Tagen Aufenthalt sollte sich auch einige Zeit zum geocachen finden. Erfahrung macht schlau, weshalb wir bei unserem vierten Besuch in Hamburg wussten, was alles in den Koffer gehört. Denn auch wenn Sonnenschein angekündigt war, ist eine Regenjacke nie verkehrt. Denn bei Wetterumbrüchen im Minutentakt, sollte man für jede klimatische Veränderung etwas im Rucksack haben.

Neben dem Geocachen stand für mich vor allem fotografieren ganz vorne auf der ToDo-Liste. Da dieses Mal der Parkfriedhof in Ohlsdorf und auch der Fischmarkt in Altona auf der Route stand (aufgrund der Öffnungszeiten von 5:00 – 9:30 war es uns bisher einfach zu früh), wollte ich meine Spiegelreflexkamera, ein paar Wechselobjektive und ein Reisestativ immer dabei haben.

Besonders bei der Planung des Tagesrucksacks und des benötigten Equipment stößt man schnell auf ein paar Probleme. Bisher war ich mit meinem Mammut Tagesrucksack gut bedient, da ich einfach alles hinein geschmissen hatte, was ich voraussichtlich über den Tag benötigen würde. Durch die größer gewordene Kameraausrüstung war dies jedoch nicht mehr möglich. Um die Kamera sicher zu verstauen und trotzdem schnell griffbereit zu haben, musste ein extra kameratauglicher Tagesrucksack her.

Als großer Freund des Mammut-Sortiments, mit dem ich bisher nur positiven Erfahrungen im täglichen Gebrauch hatte, sollte auch auf dem Kamerarucksack ein rotes Mammut sein. Nach kurzer Suche musste ich aber feststellen, dass es von Mammut leider keine Rucksäcke gab, die meinen gewünschten Kriterien entsprachen. Für einen Tagesrucksack sollte es ein verhältnismäßig kleiner Rucksack mit einer Größe von ca. 15-20 Liter sein. Er sollte ein extra Fach haben um die Kamera verstauen zu können und durch eine kleine Seitenöffnung  die Möglichkeit bieten, diese bei Bedarf schnell heraus holen zu können. Außen sollte es die Möglichkeit geben ein Stativ zu befestigen und zusätzlich sollte es etwas „neutralen“ Stauraum geben um eine Regenjacke und etwas zu Trinken unterbringen zu können.

Auch wenn die Reise ins Flachland ging, so wurde ich schnell fündig im Onlineshop der Bergfreunde, die mir freundlicherweise auch ein Modell zum Testen zur Verfügung stellten. Entschiede hatte ich mich für den Fotorucksack Camsafe V17 der Firma Pacsafe, da er alle gestellten Kriterien erfüllte. Lieben gelernt hatte ich ihn jedoch aus Gründen, die mir zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht bekannt waren, doch dazu später mehr.

Das Erste ausprobieren des Fotorucksacks stimmte mich sehr positiv. Sehr gute Verarbeitung, dickes abweisendes Oberflächenmaterial, stabile und gut gepolsterte Gurte, gepolsterte Rückenfläche, viele kleine Taschen für Tinnef und ein extra Regencape für den Rucksack im Boden. Innen ist der Rucksack zweigeteilt. Im unteren Teil ist eine gepolsterte Kameratasche eingesetzt, die sich mit verschiedenen Zwischenwänden auf die eigene Kamera anpassen lässt. Dieses Prinzip kennt bereits  von allen herkömmlichen Kamerataschen und Kamerarucksäcken. Eher seltener ist der abgetrennte obere Bereich des Rucksacks, der komplett leer ist und somit als „normaler“ Tagesrucksack dient. Erster positiver Aha-Effekt: die eingesetzte Kameratasche im unteren Teil des Rucksacks lässt sich komplett entnehmen und die Trennung zwischen oberen und unteren Bereich lässt sich öffnen. So hat man einen ganz normalen 17 Liter Tagesrucksack ohne „Kamera-Features“. Dies erlaubt es den Rucksack als normalen Tagesrucksack immer dabei zu haben und dann nur bei Bedarf mit der zusätzlichen Kameratasche auszustatten.
Ebenfalls sehr praktisch, das schmale Fach im Rückenteil um ein Notebook unterzubringen. In meinem Fall diente es als Dokumentenfach, um am Flughafen und im Hotel die Reservierungen schnell griffbereit zu haben.  Das Fach ist groß genug, um auch DIN A4 Dokumente knitterfrei transportiere zu können.

Nach ausgiebigen ausprobieren der Rucksack-Features wurde mir dann auch schnell klar, warum der Hersteller PacSafe heißt, denn bei diesem Produkt handelt es sich tatsächliche um kleinen Safe. Da es sich um einen Rucksack für Spiegelreflexkameras handelt, hat man schnell Ausrüstung im Wert von mehreren Tausend Euros dabei. Gerade herkömmliche Fotorucksäcke verraten potentiellen Dieben bereits am Aussehen, dass es sich um teureren Inhalt handelt und bieten in der Regel keine zusätzlichen Sicherheitsmechanismen.

Genau an diesem Punkt setzt PacSafe mit seinem Fotorucksack an und verpackt die Kamera nicht nur sicher gegen Stöße, sondern auch gegen Diebstahl. Dies fällt zuerst am Reißverschluss auf, denn wer den Reißverschluss Schieber sucht, der findet zunächst keinen. Am Ende des Reißverschlusses sind kleine Haken angebracht, in die der Schieber eingehakt werden kann. Dieser verhindert, dass der Reißverschluss einfach aufgemacht werden kann. Um diesen Schieber nicht einfach aus dem Haken zu lösen, hängt dieser zusätzlich an einem kleinen Gummizug, der das ganze Konstrukt in eine Tasche verschwinden lässt. Um sich also am Reißverschluss vergreifen zu können, muss dieser erst einmal gefunden, am Gummizug herausgezogen, aus dem Haken gelöst und aufgezogen werden. Dies ist weder einhändig noch unbemerkt möglich. Nach diesem Prinzip sind alle Reißverschlüsse am Rucksack gesichert.

Aber was bringt einem ein sicherer Reißverschluss, wenn einfach der ganze Rucksack geklaut wird, denn dies ist mir bereits auf einer Messe passiert. Ich saß auf einem Stuhl und hatte den Rucksack zwischen meinen Beinen liegen. Irgendwie hat es jemand geschafft den Rucksack unbemerkt von hintern unter dem Stuhl weg zu klauen.
Auch für diesen Fall gibt es eine Lösung am PacSafe Fotorucksack. Der rechte Schultergurt ist am unteren Ende nicht fest mit dem Rucksack vernäht, sondern über einen speziellen Karabiner und einer zusätzlichen Drehmechanik angebracht. Dies ermöglicht es den Träger vom Rucksack zu lösen, um ein Tischbein zu wickeln und am Rucksack wieder zu befestigen. Der Rucksack ist somit fest mit dem tisch, oder einem anderen Objekt, verbunden und lässt sich nur über den speziellen Karabiner wieder lösen (wer es besonders sicher mag, könnte auch ein Schloss einsetzen).

Besonders Gelegenheitsdiebe sollte es so schnell von ihrer Tat abbringen, wenn sie weder den Reißverschluss öffnen, noch den kompletten Rucksack entwenden können. Aber auch für die Schwerkriminellen, die mit Messer und Seitenschneider unterwegs sind, bietet der Rucksack einige Hürden. In den Gurten sind zusätzlich und unsichtbar Drahtseile eingearbeitet, die ein Abschneiden der Gurten verhindern. Wenn der Rucksack also mit Hilfe des Trägergurts um etwas gewickelt und fixiert ist, lässt sich dieser nur über den Sicherheitskarabiner entfernen. Selbst mit Gewalt und Werkzeugen ist dies nicht ohne weiteres möglich.
Aber warum einen Rucksack vom Gurt trennen, wenn man mit einem Cutter einfach durch die dünne Polyesterhaut eine neue Öffnung hinein schneiden kann? Auch dies ist nicht ohne weiteres möglich, da Teile der Innenwand mit einem zusätzlichen Drahtgeflächt verstärkt sind, welches nicht mit einem Cutter durchgeschnitten werden kann.

Bei diesem Sicherheitskonzept merkt man schnell, dass sich PacSafe Gedanken gemacht hat und das Szenario auch weiter durchspielt um vor mehreren Gefahren zu schützen. Dies ist mir insbesondere bei einer kleinen unscheinbaren Innentasche aufgefallen. Wer einen neuen Reisepass besitzt weiß, dass dieser mittels NFC Technik elektronisch ausgelesen werden kann. Mit entsprechenden Lesegeräten kann dieser ausgelesen werden,  auch wenn er sich in einer Tasche befindet.
Auch was moderne Bezahlmethoden angeht, wird gerne auf NFC Technik gesetzt und Bank- und Kreditkarten mit RFID Chips ausgestattet. Oder auch Kartensysteme im Nahverkehr, wie z.B. die Oyster Card in London oder die Octopus Card in Hong Kong setzen auf diese Funktechnik. Um auch vor diesem digitalen Diebstahl zu schützen, ist im vorderen Bereich des Rucksacks eine kleine Tasche mit der Aufschrift „RFID Safe“. Diese Tasche ist innen mit einer speziellen Beschichtung versehen, damit Objekte innerhalb dieser Tasche, wie z.B. Reisepass oder Karten, nicht ausgelesen werden können.
Selbst wer auf diese Funktion keinen Wer legt, hat so zumindest eine kleine passende Tasche um den Reisepass schnell griffbereit zu haben.

Voller Begeisterung ging es mit dem neuen Rucksack samt Kameraausrüstung nach Hamburg und meine Entscheidung für den Kamerarucksack von PacSafe und gegen den herkömmlichen Tagesrucksack von Mammut wurde jeden tag aufs Neue bestätigt. Der Mammut Rucksack hat vor allem durch das zusätzliche Rückengestell einen besseren Tragekomfort und eine deutlich bessere Luftzirkulation im Rückenbereich, dies gleicht der PacSafe aber durch die bessere Aufteilung und die Sicherheitsfunktionen wieder aus.
Besonders in Großstädten, bei Menschenansammlungen oder Gebieten mit einer hohen Touristendichte habe ich mich mit dem PacSafe deutlich sicherer Gefühlt. Vor allem in U- und S-Bahnen habe ich bisher immer darauf geachtet mit dem Rücken zur Wand zu stehen, was nicht immer möglich ist, damit niemand im Gedränge etwas unbemerkt aus dem Rucksack klauen kann. Dieses Mal war mir dies herzlichst egal, da ich wusste, dass aus dem Rucksack nichts entwendet werden kann.
Gerade auf der Reeperbahn, auf der man schnell von Bettlern oder dubiosen Gestalten angesprochen wird, war ich mehr als glücklich über meine Wahl des Rucksacks. Anders sah es da bei Team Swips aus, die einfache Eastpack Rucksäcke dabei hatten und immer ein extra Auge darauf werfen mussten.

Je nach Erwartung, Verwendungszweck und Ausrüstung kann es aber auch ein paar negative Punkte zu diesem Rucksack geben. Die Kameratasche und das dazugehörige Außenfach sind verhältnismäßig klein. Eine herkömmliche Spiegelreflexkamera passt zwar gut hinein, sobald man aber ein größeres Modell oder einen Batteriegriff hat, gibt es schnell Platzprobleme. Meine Kamera hatte einen zusätzliche Batteriegriff, eine zusätzliche Stativplatte und noch einen breiteren extralangen Gurt. Bis dieses Ungetüm an Kamera wieder verstaut ist, bedarf es etwa an Aufwand.
Für dieses Problem bin ich aber selbst verantwortlich. Vor allem mit den aktuellen spiegellosen Modellen der Alpha Serie von Sony, würde man sich als Reisekamera deutlich leichter tun.
Leider hatte ich erst nach unserer Reise festgestellt, dass es alternativ zu meinem Camsafe V17 auch einen Camsafe V25 Rucksack gegeben hätte, der für größere Kameras besser geeignet ist.

Auch der zusätzliche Stauraum ist m V17 relativ knapp bemessen. Effektiv genügt dieser für genau eine Regenjacke oder ein Fleece. Eine zusätzliche Trinkflasche kann nur außen angebracht werden und das auch nur wenn nicht bereits ein Stativ befestigt ist. In den Innenbereich passt maximal eine 0,5 L Flasche, sofern man auf eine Jacke verzichtet. Jacke, Stativ und was zum trinken geht nicht. Daher auch an dieser Stelle wieder der Hinweis auf den größeren V25.

Die Reißverschlusssicherung ist Fluch und Segen in einem. Denn wenn man selbst etwas „kurz“ aus dem Rucksack holen will, muss jedes Mal erst die Sicherung gelöst und danach wieder eingehakt werden. Nach einer Weile hat man den Dreh zwar raus, prinzipiell lässt sich dieses System nur zweihändig bedienen und sorgt so für einen größeren Aufwand. Grundsätzlich kann man die Sicherung auch weg lassen, aber dadurch verfehlt man den eigentlichen Sinn dieses Rucksacks.

Der PacSafe ist für mich zum neuen Standardrucksack zum geocachen und fotografieren in urbanen Bereichen geworden. Trotz den Größenmankos habe ich doch alles Wesentliche dabei, oder muss mir zumindest vorher Gedanken machen was ich alles mitnehmen will. Bei einem aktuellen Preis von rund 180 Euro liegt er zwar über dem Preisniveau herkömmlicher Tagesrucksäcke, bietet dafür aber auch deutlich mehr an Funktionen. Ganz nach dem Prinzip „You get what you pay for“. Vor allem für alle Fotografen unter den Geocachern eine absolute Kaufempfehlung!

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